Vogelbeobachtung im Müritz-Nationalpark

Vorbemerkungen

Nach offiziellen Angaben wurden im Müritz-Nationalpark circa 250 Vogelarten nachgewiesen. In einem erheblichen Teil der auch käuflich erwerbbaren Auflistung handelt es sich jedoch um Seltenheiten, auf die einzugehen hier verzichtet wird. Desgleichen übergangen wird die Erwähnung sog. Allerweltsvögel.

Die Fotos zu den Vögeln wurden entweder mit einer Digitalkamera (300mm Brennweite) oder bei wenig bewegten Arten durch ein Spektiv (sog. Digiskopie) gemacht.

Für die Beobachtung von Vögeln ist natürlich ein Fernglas hilfreich. Detailliertere Beobachtungen sind durch ein Spektiv möglich. Dabei ist allerdings das Mitführen eines Stativs unverzichtbar.

Greifvögel im Nationalpark
Seeadler

Wenn man im Nationalpark einen kreisenden Vogel mit brettartigen breiten am Ende gefingerten Flügeln beobachtet, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um einen Seeadler handelt.

Seeadler besitzen eine Flügelspannweite bis zu 2,50m. Während junge (juvenile) Seeadler einheitlich braun (bisweilen durchsetzt mit weißen Flecken) sind, besitzen die im Alter von mindestens 5 Jahren erwachsenen (adulten) Exemplare einen gelben Schnabel und einen vor allem im Sonnenlich auffälligen weißen Schwanz.Wie bei den meisten Greifvögeln sind die Männchen etwas kleiner als die Weibchen, was aber erst auffällt, wenn ein Paar nebeneinander sitzt. Der Seeadler ernährt sich hauptsächlich von größeren Fischen und Wasservögeln (Enten, Blässrallen), Gänse werden nur selten ein Opfer. Es ist allerdings ein interessantes Schauspiel, wenn sich vor allem im Herbst größere Gänsescharen auf einem Teich befinden und diese sich beim Überfliegen eines Seeadlers schreiend zusammenrotten oder gemeinsam auffliegen. Dadurch soll dem Seeadler die Auswahl eines Individuums erschwert werden.

Beobachtungsmöglichkeiten: Dem Seeadler kann man vor allem am Rand von Seen überall im Nationalpark begegnen. Eine besonders günstige Stelle ist eine Beobachtungsschutzwand an den Fischteichen nahe Zartwitz, wo regelmäßig Seeadler kreisen oder jagen.

Fischadler

Fischadler sind wesentlich kleiner als Seeadler und leicht anhand ihrer schwarzen Flügeldecken und der auffallend weißen Brust zu identifizieren. Im Flug wirken sie manchmal wie eine sehr große Möwe.

Fischadler brüten und betreuen ihre Jungen in der Zeit von Mitte April bis August auf den im Nationalpark an vielen Stellen vorhandenen Hochspannungsmasten. Diese werden von Ihnen offenbar als alleinstehende hohe Bäume interpretiert. Durch die attraktiven Bruthilfen auf den Spannungsmasten lassen sich die kunstvollen Naturnester nur noch sehr selten entdecken.

Fischadler ernähren sich ausschließlich von Fischen, die sie durch einen Sturzflug ins Wasser erbeuten. Dabei tauchen sie oft mit dem ganzen Körper unter Wasser. Wegen ihrer Ernährungsweise verlassen Fischadler bereits ab August ihre Brutgebiete, um nach Süden zu ziehen.

Beobachtungsmöglichkeiten: Fährt man vom Hotel aus etwa 300m in Richtung Rechlin, so sieht man rechterhand auf dem Feld auf einem Spannungsmasten einen seit vielen Jahren besetzten Fischadlerhorst. Jagende Fischadler kann man vor allem an den Fischteichen, z.B. wieder an dem Beobachtungsstand nahe Zartwitz, beobachten.

Rohrweihen

Die etwa bussardgroßen Rohrweihen fallen  durch ihren gaukelnden Suchflug über den Schilfgürtel der Seen auf. Während die Weibchen bis auf einen gelblichen Bereich der Kopfpartie einheitlich braun gefärbt sind, fallen die Männchen durch ihre buntere Färbung, inbesondere durch die schwarzen Flügelenden, auf.

Rohrweihen brüten im Schilf und können in der Regel nur im Flug beobachtet werden. Sie sind Zugvögel und verlassen den Nationalpark z. T. schon gegen Ende des Monats August.

Beobachtungsmöglichkeiten: In den Monaten April bis August kann man an nahezu allen Seen mit einem Schilfgürtel Rohrweihen beobachten. Dies gilt insbesondere für die Beobachtungshütte an der Boeker Mühle und die Beobachtungswand nahe Zartwitz.

Rotmilane

Der Rotmilan ist ein sehr schöner Greifvogel. Die rotbraune Färbung unterbrochen durch weiße Bereiche im Unterflügel und die blaugraue Kopfpartie sind im Sonnenlicht besonders auffällig. Er ist größer als der Mäusebussard. Wegen seines deutlich gegabelten Schwanzes wurde der Rotmilan früher auch als Gabelweihe bezeichnet.

Den Rotmilan kann man in allen etwas offenen Bereichen des Nationalparks antreffen, insbesondere über an Waldstücken grenzenden Feldern, Wiesen und in der Nähe von Gewässern. Er ist sehr gut von dem etwas kleineren  einheitlich braun gefärbten Schwarzmilan zu unterscheiden, dessen Schwanz im Unterschied zum Rotmilan nur sehr schwach gegabelt ist.

Der Rotmilan sucht täglich in oft nicht sehr hohem Segelflug weite Gebiete nach Beute ab. Diese besteht überwiegend aus Kleinsäugern wie Mäusen oder auch verletzten Vögeln.

Ein Teil der Rotmilane begibt sich im Herbst in weiter südlich gelegene Überwinterungsgebiete. Wohl durch klimatische Veränderungen bedingt ist der Rotmilan jedoch kein richtiger Zugvogel mehr. Man hat zumindest im Spätherbst noch Beobachtungsmöglichkeiten.

Beobachtungen auf Feldern, Wiesen und im Wald
Kraniche

Im Herbst halten sich Kraniche auf den Feldern in der Umgebung des Nationalparks in großen Scharen auf, um sich mit den dort befindlichen Ernteresten für den Flug nach Süden Fettreserven anzueignen. Kraniche versammeln sich in in großer Stückzahl mit hereinbrechender Dunkelheit im Redderangsee. Der massenweise Einflug ist ein besonderes Erlebnis.

Spätestens im Frühjahr beobachtet man auf Freiflächen im Nationalpark regelmäßig Kranichpaare, kleine Gruppen oder auch einzelne Kraniche. Mit etwas Glück bekommt man auch in den Bruchwäldern entlang des Herrmann-Kanals oder in anderen Sumpfbereichen ein Kranichpaar mit einem oder zwei hellbraun gefärbten Jungen zu Gesicht.

Beobachtungsmöglichkeiten: Abgesehen von den genannten Bereichen lassen sich auf einer Wiese entlang des Radwegs zum Redderangsee das ganze Jahr über mit großer Sicherheit Kraniche beobachten.

Schwarzspechte

Im Nationalpark und seinen angrenzenden Flächen lassen sich mehrere Spechtarten beobachten: Großer Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grünspecht.

Eine Besonderheit ist der Schwarzspecht. Dieser etwas scheue Specht ist fast krähengroß und damit größer als die bereits genannten Arten. Er ist vom Kopf abgesehen einheitlich scharz gefärbt, wobei (vgl. Bilder) das Männchen eine den gesamten Kopf überziehende rote Haube besitzt und das Weibchen nur am Hinterkopf einen roten Fleck aufweist.

Trotz der entsprechenden Größe und Färbung lässt sich der Schwarzspecht auch im Flug leicht von einer Krähe unterscheiden: Sein Flug wirkt weich, wobei die Federn weit abgespreizt sind (vgl. entsprechendes Bild).

Beobachtungsmöglickeiten: Alle Waldstücke, wobei eine Vorliebe für Buchen besteht. Auch die Bruthöhle wird häufig in Buchen gezimmert.

An den Gewässern
Eisvögel

Eisvögeln kann man an allen Wassern des Nationalparks begegnen. Häufig sieht man trotz seiner auffälligen Färbung den Eisvogel mit seinem hellblauen leuchtenden Rücken nur im Wegflug, wobei er sich wiederum durch ein kurzes Pfeifen verrät.

Die Flügeldecken des Eisvogels erscheinen zumeist kobaldblau, können jedoch auch ins grünliche wechseln. Das liegt am Zustandekommen der Farbe: Diese wird nicht durch in den Federn eingelagerte Pigmente verursacht. Vielmehr sorgen die inneren Federstukturen dafür, dass die Lichtwellen mit ihren den Lichtfarben zugeordneten Wellenlängen in unterschiedlicher Tiefe reflektiert werden. Dabei kommt es teilweise zur Auslöschung bzw. Verstärkung verschiedener Wellenlängen, so dass wir eine Restfarbe dieses Überlagerungsprozesses sehen. Diese hängt allerdings von der Einfallsrichtung des Lichts ab.

Der spatzengroße Eisvogel ernährt sich durch kleine bis zu etwa 9cm lange Fische. Beim Fang hilft ihm sein Auge: Durch einen eingebauten Polarisationsfilter kann der Eisvogel beim Beutesuch die Reflexionen an der Wasseroberfläche weitgehend unterdrücken.

 

Beobachtungsmöglichkeiten: Alle Gewässer im Nationalpark und der Umgebung. Besonders günstig ist der fischreiche Bolter Kanal.

Bilder

Taucher

Die bekanntesten Taucherarten sind der Haubentaucher und der Zwergtaucher, die sich an den meisten Seen beobachten lassen. Eine Besonderheit im Nationalpark ist der Rothalstaucher. In den vergangenen Jahren fanden beispielsweise regelmäßig Bruten an dem Teich unmittelbar vor der Beobachtungsstation am Boeker Teich statt. Die Versorgung der Jungen lässt sich bereits in den ersten Maiwochen beobachten. Dabei tragen die Altvögel die Jungen häufig auf dem Rücken.

Taucher bauen schwimmende Nester im Schilfgürtel. Die für das Schwimmen und Tauchen günstigen Ruderfüße erlauben nämlich an Land nur eine mühselige Fortbewegung (vgl. die Bilder).

Bilder

Enten

Neben den unterschiedlichen Entenarten verdienen zwei Arten besondere Erwähnung: Kolbenenten und Schellenten.

Kolbenenten, deren Männchen im Prachtkleid ein leuchtend gelbes Kopfgefieder besitzen, sieht man häufig auf dem Warnker See. Entsprechendes gilt für die Schellente, die aber in der Regel nur als einzelnes Paar beobachtet werden kann. Der Grund dafür ist wohl das eigenartige Brutverhalten: Schellenten nisten in Höhlen. Verlassene Schwarzspechthöhlen mithinreichend weiter Öffnung werden besonders gern angenommen.

 

Bilder

 

 

Silberreiher

Der Silberreiher konnte früher nur in südlichen Gefilden Europas (Po-Ebene, Südfrankreich) beobachtet werden. In den letzten Jahren ist er zunehmend in den Herbst- und Wintermonaten, zum Teil bis ins Frühjahr hinein, bei uns zum Nahrungsgast geworden. Der Silberreiher mit seinem weißen Gefieder und seinem gelben Schnabel ist etwas größer als der bei uns beheimatete Graureiher. Brutnachweise von Silberreihern in unseren Breiten konnten wohl bisher nicht erbracht werden.

 

Beobachtungsmöglichkeiten: Boeker Fischteiche

 

Bilder

 

Vögel im Schilfgürtel

Vogelbeobachtungen im Schilf sind schwierig, insbesondere wenn man die verschiedenen kleinen Rohrsänger bestimmen will.

Ausnahmen sind der durch seinen krächsenden mit den Worten „kreck kreck“ umschreibbaren Gesang und seine fast Drosselgröße auffallende Drosselrohrsänger und die durch ihre schöne schwarze Kopffärbung erkennbare Rohrammer.

Erwähnt werden muss schließlich noch die Rohrdommel. Im Frühjahr hört man (auch am Hotel) bis in den späten Abend hinein ihren dumpfen durch den Wortlaut „bump“ beschreibbaren Ruf. Man hat allerdings nahezu keine Chance, den scheuen der Schilffarbe angepassten Reihervogel zu Gesicht zu bekommen.

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Auch Gärten und verdienen Beachtung

Besonderheiten in den Gärten sind Haus- und Gartenrotschwanz, Hänfling und Mönchgrasmücken. Die Fotos der beiden letzten Arten wurden aus einem Fenster des Hotels gemacht.